Pressemitteilung:
Aachen, 17. Januar 2012
Zollmuseum in Horbach muss bleiben
Die SPD-Ratsfraktion Aachen setzt sich für den weiteren Fortbestand des Zollmuseums am ehemaligen Grenzübergang Locht ein.
„Das Zollmuseum in den Räumen der früheren Grenzkontrollstelle am ehemaligen Grenzübergang Locht ist beispielhaft für die Geschichte des Zolls und die soziale und politische Geschichte des deutsch-niederländischen Grenzgebiets. Der Verlust der Sammlung wäre ein schwerer Verlust für die Orts- und Stadtgeschichte. Mit dem Museum würde auch ein Teil der geschichtlichen Identität der Menschen, die hier über viele Generationen hinweg tagtäglich mit der Grenze gelebt haben, verloren gehen.“ so MdL und Ratsherr
Karl Schultheis, SPD.
Der Bestand des unter Führung der Heimatfreunde des Heydener Ländchens ehrenamtlich betriebenen Zollmuseums, das auch unter dem Namen seines Begründers, dem ehemaligen Zollchef des Grenzübergangs Aachen-Vetschau als „Zollmuseum Friedrich“ bekannt ist, ist momentan aufgrund einer Erbschaftsstreitigkeit gefährdet.
„Sollten einzelne Erben weiter an ihren Forderungen festhalten, könnte schlimmstenfalls der Verkauf wesentlicher Exponate der Sammlung notwendig werden, wenn jetzt nicht schnell nach Lösungen gesucht wird.“, erklärt Karl Schultheis.
Um den Fortbestand des Museums und seiner Sammlung dauerhaft abzusichern, fordert die SPD-Fraktion die Stadtverwaltung in einem Ratsantrag auf, gemeinsam mit dem Trägerverein Art und Umfang der Unterstützung zu ermitteln, die das Museum für den Fortbestand benötigt. Die endgültige Entscheidung soll anschließend in Rat und Bezirksvertretung fallen.
PressespiegelFr, 20. Jan. 2012
Aachener Nachrichten - Stadt / Lokales / Seite 13Das Zollmuseum in Horbach bangt um seine Sammlung Forderungen von Erben des Sammlers machen den Betreibern zu schaffen Aachen. Erbschaftsstreitigkeiten machen dem Zollmuseum in Horbach am ehemaligen Grenzübergang Locht zu schaffen. Die Betreiber befürchten, sich von einem Teil der Sammlung trennen zumüssen, um die Erben des Gründers Christian Friedrichs auszahlen zu können.
Die Lage ist vertrackt, weil die Rechtslage unübersichtlich ist und nicht alle Beteiligten handlungsfähig sind. So sieht derzeit auch die Stadt kaum Möglichkeiten, helfend einzugreifen. „Es geht um einen Rechtskonflikt im Privatbereich“, sagt Olaf Müller, Leiter des städtischen Kulturbetriebs, dem das Zollmuseum zugeordnet ist.
2000 Besucher jährlich
Die Immobilie befindet sich im städtischen Besitz, um die Sammlung kümmern sich im Auftrag der Heimatfreunde des Heydener Ländchens hingegen die beiden Pensionäre Franz Lohmeyer und Kurt Cremer. Regelmäßig an zwei Sonntagen im Monat und auf Anfrage bieten sie Führungen durchs Haus an und erinnern unter anderem an die Zeit der Schlagbäume, in der Zöllner noch Jagd auf Schmuggler machten.
Rund 2000 Besucher besichtigen jährlich die Ausstellung, sagt Lohmeyer. Nun allerdings sei die Zukunft unsicher. Denn die von dem ehemaligen Leiter des Hauptzollamtes Aachen-Nord, Christian Friedrichs, hinterlassene Sammlung muss möglicherweise in Teilen verkauft werden.
Hintergrund: Drei Kinder fordern jetzt den Pflichtteil ihres Erbes ein. Nach ersten Schätzungen belaufe sich der Wert der Sammlung laut Lohmeyer auf rund 60 000 Euro – was wiederum bedeutet, dass den Kindern die Hälfte, also rund 30 000 Euro zustünden. Doch woher das Geld nehmen?
Schwierig ist dies nicht nur, weil potenzielle Käufer nicht in Sicht sind. Schwierig ist dies auch, weil die von Friedrichs eingesetzte Alleinerbin schwer erkrankt und einem Verkauf gar nicht zustimmen könnte. So fehlt derzeit eine Handlungsbevollmächtigte.
„Wir wissen nicht, was zu tun ist, um das Museum zu erhalten“, sagt Lohmeyer. „Es gibt keine Klarheit.“ Inzwischen ist die SPD den Heimatfreunden beigesprungen. Per Ratsantrag fordert sie eine dauerhafte Absicherung der Sammlung, um den Fortbestand des Museums zu sichern. Jetzt müsse die Stadt einspringen, der Landtagsabgeordnete und Ratsherr Karl Schultheis. „Mit dem Museum würde auch ein Teil der geschichtlichen Identität der Menschen, die hier über viele Generationen hinweg tagtäglich mit der Grenze gelebt haben, verloren gehen“, meint Schultheis.
Hände gebunden
Auch Kulturbetriebsleiter Müller sagt: „Wir schätzen sehr den hohen ehrenamtlichen Einsatz, der dort geleistet wird, und würden dieses Kleinod gerne in seinem Bestand erhalten.“ Doch so lange die rechtliche Situation ungeklärt sei, könne auch die Stadt nichts machen. Wie eine städtische Unterstützung aussehen kann, lässt er vorerst offen.
Anhand von rund 3000 Exponaten gibt das Zollmuseum, Horbacher Straße 497, einen Einblick in diesen Teil der Geschichte des Grenzlands. Öffentliche Führungen gibt es jeden ersten und dritten Sonntag im Monat um 11 Uhr und um 14.30 Uhr. Der Eintritt mit Führung ist frei. Weitere Termine können unter 0241/9970615 vereinbart werden.(gei)
Weitere Informationen:
www.zollmuseum-friedrichs.de
Dokumente:Ratsantrag Nr. 115: Sicherung des Zollmuseums am ehemaligen Grenzübergang Locht - 10. Januar 2012